Geschichte Seline Klasse 8a

UNSERE GESCHICHTE

Die Lessing Realschule blickt auf eine mehr als 130-jährige Geschichte zurück. Anlässlich unseres 125-jährigen Jubiläums veranstalteten wir 2012 eine Ausstellung mit einer gut dokumentierten Reise in die Vergangenheit unserer Schule. Immerhin hat diese schon allerhand erlebt. Begleitet und begleiten Sie uns auf einen historischen Ausflug.

Willkommen zu einer bewegten Zeitreise

1887 – 1890: Von der „Knabenvolksschule neuen Typs“ zur „Lessingschule“

Das kontinuierliche Bevölkerungswachstum im Freiburg des 19. Jahrhunderts lässt die 1883 im Norden der Stadt eröffnete Karlsschule schnell an ihre Grenzen kommen. Der Ruf nach einer weiteren Volksschule wird laut. Zum Schulstandort wählt man das stadteigene Gelände des ehemaligen Gaswerks mit 306 qm im Süden der Stadt am Eingang zum aufstrebenden Stadtteil Wiehre an der Schillerstraße.

Geplant wird der Schulbau im Klassizistischen Stil vom Architekten und Stadtbaumeister Carl Müller mit 24 Schulsälen. Hierbei wird die Option getrennter Eingänge mit Zugang zu jeweils 12 Klassen für Jungen und Mädchen schon mitgedacht. Allerdings müssen Mädchen dann doch noch 81 Jahre warten, bis sie an unserer Schule unterrichtet werden.

Nach zweijähriger Bauzeit kann die „Knabenvolksschule neuen Typs“ am 3. Mai 1887 bezogen werden. Das Schulgebäude stellt eine repräsentative Verbindung zwischen Altstadt und der Wiehre dar – eine Wirkung, auf die die Städteplaner größten Wert legen, während praktische Erwägungen weniger Berücksichtigung finden. Dennoch lobt Oberbürgermeister Karl Schuster bei der Einweihung die moderne technische Einrichtung der Schule mit Warmwasser, Luftheizungen in den Gängen und einer Gasbeleuchtung.

Mit Umbenennung der Schillerstraße in Lessingstraße wird im Jahr 1890 aus der bislang so genannten „Knabenschule“ die „Lessingschule“ aus der Taufe gehoben. Der Namensgeber unserer Schule Gotthold Ephraim Lessing war ein deutscher Dichter und Dramaturg, des 18. Jahrhunderts, der uns mit seinen Schriften, vor allem seinem letzten Werk „Nathan der Weise“ lehrt, dass wir alle tolerant sein sollen und dass alle drei Weltreligionen an ein und denselben Gott glauben.

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1904 – 1906: Erweiterung und Verschönerung des Schulhauses

10 Jahre nach Bau der Johanniskirche und drei Jahre nach Inbetriebnahme der Tram vom Rennweg über das Siegesdenkmal nach Günterstal muss der Schulbau schon erweitert werden. Der wirtschaftliche Aufstieg und die weiterhin rasante Zunahme der Stadtbevölkerung erfordert den Anbau neun weiterer Klassenräume.

Das Schulgebäude erhält einen Aufbau in der Mitte des Schulhauses, um der Nordfassade eine imposantere Silhouette zu geben. Die alte Turnhalle wird abgerissen und an der Südseite des geschlossenen Hofes neu aufgebaut. Das Schulgebäude erhält außerdem neuen ornamentalen Schmuck im Jugendstil. Im Sommer 1906 werden in den Nischen der Seitenfassaden zwei lebensgroße Büsten angebracht: Friedrich Schiller auf der Ostseite und der Namensgeber unserer Schule – Gotthold Ephraim Lessing – auf der Westseite des Gebäudes. Die Stadtplaner hatten erneut großen Wert auf die repräsentative Gesamtwirkung des Ensembles Kirche, Schule und Brücke gelegt. Dieses gilt heute als der bedeutendste Ausdruck des Historismus in Baden.

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1914 bis 1918: Der 1. Weltkrieg – die Lessingschule als Reservelazarett

 

Nachdem zu Beginn des 1. Weltkrieges eine Nachrichten- und Werkstattkompanie zwölf Klassenräume der Lessingschule in Anspruch nimmt, werden wenig später auch die letzten Jungen aus der Knabenbürgerschule in die benachbarte Gewerbeschule verlagert, während die Schüler der Gewerbeschule im Krieg sind.

Die Lessingschule wird zum Reservelazarett. Am 17. April 1917 wird das Ensemble um den Johanniskirchplatz bei einem der heftigsten Fliegerangriffe auf Freiburg getroffen. Ein besonders starker Bombeneinschlag erfolgt unmittelbar neben dem Schulgebäude. Um angreifende Flieger auf die Lazarettnutzung des Hauses hinzuweisen und dieses vor weiteren Bombenangriffen zu schützen, wird auf das Dach der Schule ein rotes Kreuz gemalt und ein weiteres großes rotes Kreuz aus Pflaster und Backsteinen zwischen Johanniskirche und Lessingschule gelegt. Das Schulgebäude bleibt tatsächlich von Bombeneinschlägen verschont.

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1920er Jahre: Zweckentfremdung als Arrestlokal und Fortbildungsschule

In den Krisenjahren der frühen 20er Jahre der Weimarer Republik werden die Gefängnisplätze knapp – der Stadtrat genehmigt 1922 die Einrichtung eines so genannten Karzers, eines Arrestlokales in den Räumlichkeiten der Lessingschule.

Später wird die Schule in den Jahren der Weimarer Republik und auch danach als berufliche Fortbildungsschule und Gewerbeschule für Erwachsene genutzt.
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1936 bis 1938: Freiburg im Nationalsozialismus – Einrichtung einer „Judenschule“ und Nutzung der Schulturnhalle zur „Volksertüchtigung“

Im Jahr 2004 machen Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte unserer Geschichtswerkstatt die Freiburger auf eine Episode der Geschichte der Lessingschule aufmerksam, die bis dahin in Vergessenheit geraten war.

Im Zeitraum von Oktober 1936 bis zur Reichspogromnacht am 9. November 1938 werden 60 Schülerinnen und Schüler aus Südbaden in zwei Klassen in der so genannten „Judenschule“ unterrichtet, nachdem es im nationalsozialistischen Deutschland für die „arische“ Bevölkerung als unzumutbar gilt, zusammen mit Juden die Schulbank zu drücken. Eine Trennung nach Geschlechtern hält man in diesen Klassen nicht für notwendig. Zur gleichen Zeit hält die NS-Organisation KdF (Kraft durch Freude) in der Turnhalle Sportstunden zur „Volksertüchtigung“ ab. Die Geschichtswerkstatt der Lessing Realschule berichtet auf ihrer Website eindrücklich über diese Zeit.

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1939 – 1945: 2. Weltkrieg – Luftschutzraum und Platz fürs Militär

Mit Kriegsbeginn wird die Situation für ganz Freiburg bedrohlich. In der Lessingschule richtet man ab 1940 das Freiburger Versorgungsamt und Sanitätsdepot ein. Der Bade- und Duschraum dient nun als öffentlicher Luftschutzraum.

Mit Beginn des Winters 1939/40 haben alle Lessingschüler schulfrei, denn wieder einmal hält das Militär Einzug und bringt gleich 60 Fahrzeuge mit.

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1945 – 1946: Anstrengungen zur Wiedereröffnung der Schule

Nach Kriegsende 1945 müssen aufgrund der akuten Raumnot in der zerstörten Stadt gleich drei Ämter im Schulgebäude untergebracht werden: das Fürsorge-, Wirtschafts- und Ernährungsamt. Sowohl die Elternschaft als auch die französische Militärregierung dringen auf eine Wiedereröffnung des Schulbetriebes in der Volksschule.

Die Ämter werden schließlich nach und nach in andere öffentliche Gebäude verlegt. Aber erst 1946, nachdem die schlimmsten Schäden in der Altstadt einigermaßen behoben sind, wird in der Lessingschule wieder unterrichtet. In diese Zeit fällt auch die Einrichtung einer Meldestelle im Schulgebäude für ehemalige KZ-Häftlinge, die in Not geraten sind.

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1948 – 1964: Erste Freiburger Hilfsschule und Grenze der räumlichen Kapazitäten

1948 wird im Lessingschulhaus die erste Freiburger Hilfsschule mit drei Klassen eingerichtet. Bis zum Jahr 1964 wächst dieser Schulzweig auf 17 Klassen an und ist damit stärker als der Volksschulzweig, der 16 Klassen belegt. Somit wird das Gebäude nun den ganzen Tag über genutzt.

Unterrichtet wird im Schichtbetrieb, das heißt, die Klassenzimmer sind mit mindestens zwei Klassen belegt, wobei die Hilfsschüler nachmittags unterrichtet werden. Auch ein Kinderhort ist nachmittags im Schulhaus untergebracht. Wie prekär die Lage ist, zeigt die Tatsache, dass das Schulleiterbüro gleichzeitig als Lehrerzimmer, Werkraum und Schulküche genutzt werden muss. Konflikte zwischen Schulträger und Schule, aber auch zwischen den Schulen und Vereinen, die die Räumlichkeiten der Schule nutzen, sind unumgänglich.

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1960er Jahre: Reformierung des Schulsystems und Umbau zur Realschule

Die Erkenntnis, dass die Bundesrepublik auf eine „Bildungskatastrophe“ zusteuert, wenn man das Schulwesen nicht grundlegend umstrukturiert, forciert eine Reformierung des Schulsystems.

Die Lessingschule ist ein Spiegelbild für die sich verändernde Schullandschaft in Freiburg: 1961 startet sie mit einem neuen Mittelschulkonzept. Zunächst wird die erste Mittelschulklasse von einer Lehrkraft in allen Fächern unterrichtet. Jedes weitere Schuljahr tritt ein neuer Fachkollege hinzu und im Herbst 1966 legt die erste Abschlussklasse die Mittlere Reife ab.

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1968 – 1969: Neugestaltung und Öffnung für koedukativen Unterricht

Ende der 1960er Jahre wird die Schule zur neuen Realschule und Sonderschule umgebaut. In diesem Zuge finden auch umfassende Renovierungsarbeiten statt. Der Mittelschulzug muss für 1,5 Schuljahre in die Karlsschule verlegt werden.

Am 8. September 1969 kann schließlich die Knabenschulklasse aus der Karlsschule rückverlegt werden und sich mit einem an der Turnseeschule gewachsenen Mädchenmittelschulzug zum modernen koedukativen Unterricht vereinen. Mit der großen Renovierung von 1968/69 ist schließlich auch eine klare Zuteilung des rechten Gebäudetraktes für die Freiburger Sonderschule und des linken Traktes für die Lessing Realschule erreicht. Leider müssen mit dieser Sanierung auch die Sprossenfenster durch Ganzglasfenster ersetzt werden.

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1998 und 2003: Modernisierung der Fachräume

Entsprechend der neuen Anforderungen der Lehrpläne werden die Fachräume für Naturwissenschaften im Jahr 1998 und der Technikbereich im Jahr 2003 modernisiert, um unseren Schülerinnen und Schülern einen fachlich adäquaten und anschaulichen Unterricht in einem technisch angemessenen Lernumfeld zu ermöglichen.

2004: Woche des Erinnerns und Einrichtung einer Gedenktafel

Im Oktober 2004 wird im Rahmen einer Woche des Erinnerns und Begegnens an der Nordseite der Schule eine Tafel zur Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus angebracht.

17 hochbetagte Frauen und Männer – ehemalige Schülerinnen und Schüler der damaligen so genannten „Judenschule“ und Überlebende der Zeit des Nationalsozialismus – sind anwesend. In einer dreijährigen Recherchearbeit hatte die Geschichtswerkstatt sie weltweit aufgespürt, kontaktiert und zu der Feier geladen. Einige von ihnen kommen nach ihren Erfahrungen in Konzentrationslagern und Verstecken für diesen Besuch zum ersten Mal nach Deutschland zurück.

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2007 – 2008: Schule nach modernstem Standard – die Lessingschule erstrahlt in neuem Glanz

Im Rahmen eines Konjunkturprogrammes des Bundes wird die Lessingschule umfassend saniert. Wieder einmal müssen alle vorübergehend umziehen. Die Realschule belegt den Gebäudeteil der Förderschule, deren Schülerinnen und Schüler während der Renovierung ausgesiedelt werden. Seither kann man, wie Oberbürgermeister Karl Schuster im Jahre 1886, wieder von einer Schule nach modernstem Standard sprechen.